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Jürgen Henkys wurde als eines von sechs Kindern am 6. November 1929 in Heiligenkreutz/Ostpreußen geboren und starb am 22. Oktober 2015 in Berlin.

 

Mit 15 Jahren flüchtete Jürgen Henkys kriegsbedingt aus seiner Heimat Ostpreußen. Sein Abitur legte er 1948 in Leverkusen ab. Anschließend studierte er Theologie in Wuppertal, Göttingen, Heidelberg und Bonn. Ende 1953 siedelte er mit seiner Frau in die DDR über, wo er zunächst eine Gemeinde in der Niederlausitz übernahm und seine weitere pastorale Ausbildung am durch Albrecht Schönherr geleiteten Predigerseminar in Brandenburg an der Havel absolvierte. An diesem Predigerseminar wurde er nach dem Zweiten Theologischen Examen Studieninspektor und später Dozent für Katechetik. Seine Promotion erfolgte 1965 an der Universität Greifswald.

Zur gleichen Zeit nahm Jürgen Henkys eine Hochschullehrtätigkeit als Dozent für Praktische Theologie am Berliner Sprachenkonvikt auf, die bis zur Überführung des Sprachenkonviktes in die Theologische Fakultät der Humboldt-Universität währte. Zeitweise war er auch Rektor des Sprachenkonviktes. An der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin lehrte Jürgen Henkys dann als Professor für Praktische Theologie bis zu seiner Emeritierung 1995.

Mit seinem im Westen lebenden Bruder, dem bekannten evangelischen Publizisten und Journalisten Reinhard Henkys ("Kirche im Sozialismus"), pflegte Jürgen Henkys zeitlebens eine gute Verbindung. Beide hatten auf ihre Weise einen starken Einfluss auf die katechetische Diskussion in den Kirchen der DDR.

Neben einem beliebten und hoch geschätzten Hochschullehrer verliert die Evangelische Kirche in Deutschland mit Jürgen Henkys außerdem einen bedeutenden Hymnologen und Liederdichter. Als Hymnologe war er international und interdisziplinär hervorragend vernetzt. Er war Mitverfasser, Herausgeber und Mitherausgeber zahlreicher Veröffentlichungen wie z. B. der Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch. Er hat sich mit seiner hymnologischen Forschung und mehr noch durch die eigene Produktion von Liedtexten bereits zu Lebzeiten einen bleibenden Ruf erworben. Das Interdisziplinäre ökumenische Seminar zum Kirchenlied hat er maßgeblich mit geprägt.

Jürgen Henkys‘ Forschungsschwerpunkte in der Hymnologie waren deren Aufgabenstellung, ihre wissenschaftstheoretische Verortung, ihre Interdisziplinarität, sowie theologische und poetologische Qualitätsfragen. Ferner forschte er intensiv zur Rezeptionsgeschichte von Liedern in Gesangbüchern und zur hymnologischen Bedeutung von Jochen Klepper und Dietrich Bonhoeffer. Wichtig war ihm auch die hymnologische Auseinandersetzung mit der Neuübersetzung des Genfer Psalters durch Matthias Jorissen.

Schließlich beschäftigte er sich auch immer wieder mit den religiösen Aspekten in der deutschen Gegenwartsliteratur, besonders bei Christa Wolf, Erwin Strittmatter und Johannes Bobrowski. Mit Bobrowski, den er persönlich kannte und schätzte, verband ihn außerdem die tiefe Liebe zu seiner Heimat Ostpreußen. Als zu Unrecht Vertriebener fühlte er sich dennoch nicht. Die Besuche bei seiner in Masuren lebenden Tochter gaben ihm das Gefühl von Heimat.

Jürgen Henkys hat etwa 175 Kirchenlieder aus den Niederlanden, aus Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Litauen, Frankreich sowie aus verschiedenen englischsprachigen kirchlichen Traditionen ins Deutsche übertragen, davon eine Vielzahl neuerer Lieder. Der größere Teil dieser Übertragungen ist veröffentlicht, etliche Lieder davon sind – und dies teilweise mehrfach – inzwischen auch in neuere deutschsprachige Gesang- und Liederbücher übernommen worden. Elf Texte finden sich im Stammteil des Evangelischen Gesangbuches, viele weitere Lieder in den Anhängen und Beiheften der evangelischen Landeskirchen.

Auch das Katholische Gottesslob hat Henkys-Lieder aufgenommen, sowohl im Stammteil als auch in den Diözesananhängen. Darüber hinaus finden sich seine Lieder im methodistischen Gesangbuch und den Liederbüchern anderer deutschsprachiger Glaubensgemeinschaften. Übertragungen wie „Holz auf Jesu Schulter“, „Korn, das in die Erde“ und „Morgenlicht leuchtet“ u. a. gehören mittlerweile zum festen Repertoire vieler Gemeinden. Die Liedübertragungen von Jürgen Henkys haben das christliche Singen im deutschsprachigen Raum wesentlich bereichert und sind zugleich Beiträge ersten Ranges zur Ökumene.

Für Jürgen Henkys war die Arbeit an Kirchenliedern ein eminent theologisches Tun von ganz eigener Art, bei dem auch die Theologie auch selbst noch allerlei zu lernen hat. Seine Liedübertragungen sind weit mehr als bloße Übersetzungen. Sie sind Nachdichtungen, die sich durch theologische Tiefe, poetische Kunstfertigkeit, hohe Sprachästhetik und emotionale Dichte auszeichnen. Mit seinen Liedübertragungen brachte Henkys Gott auf eine unverwechselbare Weise zur Sprache, ins Singen und zum Klingen und gab – und gibt – der gegenwärtigen Frömmigkeit neue Möglichkeiten für einen ganz eigenen ästhetischen Glaubensausdruck.

Letzte Änderung am: 01.12.2015