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Jürgen Henkys zum Gedenken

Von Wolfgang Huber


Am 22. Oktober 2015 ist der Theologieprofessor, Pfarrer und Dichter Jürgen Henkys im Alter von 85 Jahren gestorben. Mit dem Brandenburger Dom war er eng verbunden. In Ostpreußen geboren, wuchs er im Westen Deutschlands auf. Er gehörte zu den jungen Theologen, die in den frühen fünfziger Jahren aus freien Stücken in eine der evangelischen Kirchen in der DDR wechselten, um dort in der bedrängten Kirche Dienst zu tun. Dieser Dienst führte ihn 1956 nach Brandenburg an der Havel, wo er gleichzeitig Dompfarrer und Dozent an dem von Albrecht Schönherr gegründeten und geleiteten Predigerseminar war. In diesen Funktionen war er von 1959 bis 1965 „residierender Domherr“.

Die Verbundenheit mit dem Dom dauerte auch fort, als er nach der Brandenburger Zeit als Dozent für Praktische Theologie am „Sprachenkonvikt“ in Ost-Berlin wirkte, das unter diesem harmlos klingenden Namen die Funktion einer Kirchlichen Hochschule für die Ostregion der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg wahrnahm. 1990 erhielt diese theologische Bildungsstätte schließlich den Namen, der ihr zukam; doch schon 1991 wurde sie in die Theologische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin integriert. Dadurch war Jürgen Henkys in den letzten Jahren seines aktiven akademischen Wirkens Professor an der Humboldt-Universität.

Nicht nur mit dem Brandenburger Dom, sondern vor allem mit dessen langjährigen Dechanten Albrecht Schönherr war Jürgen Henkys eng verbunden. Schönherr bezeichnete ihn gelegentlich als seinen Beichtvater; Henkys predigte am 20. März 2009 bei dem Beerdigungsgottesdienst für Schönherr in Potsdam-Bornstedt und sprach auch am folgenden Tag im Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Bischof in der Berliner Marienkirche. Unvergesslich ist mir, wie er seinen Freund zu einem Jubiläumsgottesdienst in Brüssow begleitete, wo Schönherr seine erste Pfarrstelle innehatte. Schönherr war schon auf den Rollstuhl angewiesen, Henkys schob ihn: ein bewegendes Bild.

Verbunden waren die beiden auch durch ihr Interesse an Dietrich Bonhoeffer. Zwar war Henkys nicht wie Schönherr mit Bonhoeffer durch persönliche Schülerschaft verbunden. Aber er war ein kongenialer Interpret von Bonhoeffers Gefängnisgedichten; niemand hat sie in einer vergleichbaren Intensität erschlossen wie Jürgen Henkys.

Das lag daran, dass er selbst ein Dichter war. Seine Kunst stellte er vor allem in den Dienst von Liederdichtern anderer Sprache. Zwölf Liedübertragungen von ihm haben Eingang in das Evangelische Gesangbuch gefunden. Dreizehn weitere finden sich in „Singt Jubilare“, dem Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch für unsere Landeskirche. „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“ ist unter all diesen Liedern wohl das bekannteste; aber sie verdienen es alle, gesungen und meditiert zu werden.

In beeindruckender Weise verband Jürgen Henkys Kunst und Theologie. Die „Hymnologie“, die theologische Lehre vom Kirchenlied, hat er wieder zu einem Kerngebiet der praktischen Theologie gemacht; hoffentlich folgen ihm andere darin nach.

Das Domstift Brandenburg bleibt seinem residierenden Domherrn, dem Dichter und Seelsorger, dem Pfarrer und theologischen Lehrer, dem Freund und Weggefährten Albrecht Schönherrs dankbar verbunden.

Letzte Änderung am: 13.11.2015